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Schweden

Bicycling the worldMit dem Fahrrad in USA, Skandinavien und Afrika

Titandesert 2010

Marokko 2009

Ich bin am 3.11.2009 in Agadir eingefallen. Die “Bastelstunde” am Flughafen (Fahrrad reisefertig machen etc.) mit anschließender Zollzeremonie ist total unkompliziert verlaufen. Anschließend hab ich am Flughafen noch Geld gewechselt - auch problemlos.Stichwort Geld: Gibt es in dem großen Marokko eigentlich irgendeine Bank, die Travellerchecks tauscht? Wer was weis, kann mir ne Email schreiben, ich bau den Tipp dann hier ein! Ich bin im Verlauf meiner Tour bei 10 Versuchen an 10 Banken 10x abgeblitzt... also, liebe Afrikaneulinge, nehmt genug Cash mit!Entgegen den Behauptungen der deutschen Bankangestellten werden Travellerchecks NICHT in jeder Bank und jedem Land angenommen! Laßt Euch nicht ins Boxhorn jagen und nehmt genügend Bargeld mit! Für Tunesien gilt das Gleiche.Weil ich also in Agadir um 14.00 h mit Allem fertig bin, fahre ich noch bis Tiznit. Dort gibts einen schönen Campingplatz (am Kreisverkehr rechts, direkt vor der Stadtmauer) und mehrere Hotels (sind alle übersichtlich um den Kreisverkehr verteilt). Leider ist der ruhig gelegene Campingplatz komplett mit grobem Schotter belegt, also zum Zeltcamping eher ungeeignet.Am nächsten Morgen gehts weiter über Bou Izarkane auf die R 102. Ab dem Abzweig auf die R 102 wird der Verkehr schlagartig weniger. Das Fahren ist deutlich angenehmer als auf der großen Straße nach Süden! Auf der R-102 hab ich auch bald meinen ersten marokkanischen „Pass“ befahren. Es ging immerhin auf 1000 m. Kurz und schmerzlos. Die Landschaft wurde bald sehr abwechslungsreich, steinige Steppe wechselt sich mit grünen Hügeln, kakteenbewachsenen Gebieten und kleinen Oasen ab. Die Oase Targhjicht setzt Allem die Krone auf: Die Palmen stehen neben der Straße so dicht zusammen , daß es unmöglich ist, weiter als 10 m in diesen Wald hinein zu sehen. Ich hab dort etwas eingekauft und bin dann noch etwas gefahren, bis ich die passende Stelle zum Campen gefunden habe...Am nächsten Tag fahre ich bis Tata, der Rückenwind machts möglich. Weil der örtliche Campingplatz zu Ehren der Wohnmobilcamper komplett betoniert ist, übernachte ich im Hotel „Relais de Sables“. Relativ teuer, aber gute Zimmer und gutes Essen.In Foum Zguid hab ich dann nen Großeinkauf gemacht und anschließend gings auf die Piste nach M´hamid. Ich bin froh, daß ich vollgefedert fahre. Die ersten 20 km sind recht holprig, mit vielen faustgroßen Kieselsteinen, streckenweise auch Sandverwehungen. Das Ganze wird dadurch noch interessanter, daß es ab und zu mal ne Rampe hoch- oder runter geht. Die Piste über den Iriki ist allerdings vom Allerfeinsten: Topfebener, harter, relativ glatter Boden, da kann man ja fast schon mit dem Rennrad fahren. Abends baue ich mein Zelt neben der Piste auf einer Düne auf und übernachte unter 1000 Sternen. Am nächsten Tag gibts zum Schluß, kurz vor M´hamid, noch 4 km Fechfech, die streckenweise unfahrbar sind. In M´hamid hab ich mir 2 Tage Pause gegönnt. Diese Stadt IST AFRIKA! Wer von Norden über die Piste kommt, wie ich, verläßt in Foum Zghuid die übliche Zivilisation und kommt in M´hamid in einer anderen, afrikanischen, Zivilisation an. So habe ich es empfunden. Weiter gings über die N9 nach Zagora, durchs Draatal und bei Tazzarine auf die nächste Piste, von Targhbalt nach Taouz. (Targhbalt ist auf der Michelinkarte Nr. 742 an der falschen Stelle!)Hier war auch wieder für Jeden was dabei, anfangs steinige Gebirgspisten, weite glatte Schwemmtonebenen, und etwas Sand. Kurz vor Ramlia wieder viiiieel Sand: 6 km Fechfech, viel Schieben, wenig Fahren. Ramlia selbst besteht aus einigen Oasengärten, einigen Lehmhäusern, einer Moschee und einer Tankstelle die die auch Restaurant, Auberge und Lebensmittelladen ist. Nach 2 kalten Cola fahre ich weiter: die Piste ist bald wieder gut fahrbar. Es gibt noch einige kurze Sandpassagen, die aber fast alle mit Anlauf passierbar sind. Die letzten 20 km nach Taouz sind etwas holprig und kurvig, aber nichts Kompliziertes mehr. Diese Piste ist 170 km lang, unterwegs kann man mit dem Fahrrad die große Einsamkeit finden. Aber andererseits gibts genug Dörfer und Campingplätze in Pistennähe. Das Ganze hat schon was Surreales: keine festen Straßen, nur Pisten, aber mitten im Nirgendwo taucht plötzlich ein komplettes Dorf auf...Die Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln müßte unterwegs ggf. also möglich sein, die Einheimischen leben ja auch von irgendwas.Direkt hinter Taouz fängt die Asphaltstraße an. Ich fahre noch einige Kilometer bis nach Merzouga wo ich im “Camping Ksar Sania” mein Zelt aufbaue. Der Platz ist französisch geführt, absolut sauber und liegt direkt an den großen Dünen vom Erg Chebbi.Weiter gehts über Tinedjad und durchs Dadestal. Und es geht bergauf. Dank dem Rückenwind kaum spürbar, aber ich bin auf dem Weg in den Atlas. Morgens in Merzouga zeichnete sich die Gebirgskette noch als schmaler zackiger Saum am Horizont ab. Aber Abends in Tinedjad ist er deutlich zu sehen, der Atlas. Westlich und nördlich von mir erhebt sich das Gebirge immer imposanter! Auf dem Weg zum Tiz´n Tichka hab ich ab Ouazazate die Nebenstrecke genommen... Das ist dann “Urlaub für Fortgeschrittene”! Die Straße geht etwa nach 20 Km in eine Piste über. Die ist streckenweise fast unfahrbar steil, nur um hinter der nächsten Kurve wieder die eben mühsam erarbeiteten Höhenmeter zu verlieren. Wobei die Gefällesektionen auch keine Entlastung sind, ich fahre bergab genau so langsam wie bergauf. Zu scharf sind die Gesteinskanten, zu tief die Löcher in der Piste, daß ich irgendwas riskiere. Außer mir sind auch nur noch wenige Einheimische zu Fuß oder mit ihren Eseln unterwegs. So fahre ich Kilometer um Kilometer vor mich hin, und genieße die Landschaft. Langsam und beschwerlich windet sich die Piste immer höher. Im Verlauf werden mit großen Baggern an 2 Stellen gerade riesige Felsbrocken aus dem Weg geschoben, vermutlich als Folge von Erdrutschen. Beide Male habe ich etwa 45 min Zwangspause, bis der Weg wieder passierbar ist. Die Landschaft und die Dörfer, die teilweise wie Schwalbennester am Berg kleben, sind einmalig! Die Piste allerdings auch. Es gibt sicher viele Möglichkeiten sich zu quälen, aber das hier ist die gründlichste Methode! Beim nächsten Mal werde ich die Piste in umgekehrter Richtung, bergab, befahren. Ist vielleicht etwas einfacher...Ich bin abends noch bis Telouet gefahren, habe da im “Hotel Restaurant Telouet” übernachtet. Das Zimmer sollte 300 Dhm ohne Frühstück kosten, ich einige mich mit dem Hotelbesitzer auf 150Dhm mit Frühstück. Am nächsten Morgen kostet das Frühstück dann noch 20 Dhm extra... (warum nur hatte ich hier das Gefühl, übers Ohr gehauen zu werden??) So was hab ich in ganz Marokko nicht wieder erlebt!Am nächsten Tag gings ab dem Tiz´n´Tichka bergab, abends komme ich in Marrakesch an, wo ich 2 Tage bleibe. Wow- diese Stadt hat was! Die Neustadt ist langweilig, könnte auch in Südfrankreich stehen. Aber die Medina, um den Jama al Fnaa, ist der Hammer. Abends ist der Jama al Fnaa die Bühne für alle Künstler, Gaukler, Musikanten, Zigarettenverkäufer etc. Tagsüber ist es dort fast langweilig. Dann wird der Platz von Schlangenbeschwörern, Wasserverkäufern und Schuhputzern bevölkert. Hier und in den engen Gassen der Medina tobt das orientalische Leben in all seinen Facetten. Dazu gehören leider auch Armut und Krankheit. Es gibt viele Männer und Frauen die -durch Behinderungen oder Krankheit arbeitsunfähig- ihren Lebensunterhalt als Bettler verdienen.Der Rest ist schnell erzählt: Von Marrakesch fahre ich Richtung Küste weiter, auf der N7. An der ganzen Strecke gibts nur wenige Übernachtungsmöglichkeiten. Weil ich morgens vor der Abfahrt in Marrakesch zu lange herumgetrödelt habe, strande ich im Dunkeln in Sidi Smail. Es gibt dort weder Hotels noch Campingplatz. Frei zelten geht auch nicht, überall Ackerbau und Viehzucht... So frage ich an der örtlichen Gendarmerie Royale. Nach ca. 40 minütigem Frage- und Antwortspiel, in dessen Verlauf auch der örtliche Standortkommandeur aufläuft, bekomme ich die Erlaubnis,auf dem Parkplatz der Polizeistation zu zelten. Es gibt sicher ruhigere Zeltplätze, aber keinen, der sicherer ist!Angeblich gibt es einen Campingplatz 40 km weiter, in Al Jadida an der Küste. Ich hab da am nächsten Tag aber nur massenhaft Schwerindustrie und vermüllte Straßengräben entdeckt. Ab Safi wirds besser. Und auf den letzten 300 km bis Agadir gibts noch mal richtig was fürs Auge, rechts die tosende Brandung, links Hügel und vor mir abwechslungsreiche, kurvige, (und hügelige) Landstraße. In Agadir hab ich ein letztes Mal gecampt. Ich weis nicht mehr wie der Platz heißt, aber er ist im Norden Agadirs, südlich vom Hafen, kurz vor den Autoverleihern links. Für ein Großstadtcamp ist der Platz recht ordentlich, ruhig gelegen und wird auch gut bewacht. Zum Strand ist´s auch nicht weit, nur die 4 spurige Straße überqueren... Aber die WC´s und Duschen auf dem Camp- nee, nee, nee! Wer dort duschen möchte, sollte Gummistiefel dabei haben!! So ein “disaster area” hab ich bisher noch nicht gesehen! Sauber machen geht da nicht mehr. Man kann das ganze Sanigebäude eigentlich nur tutto kompletti auf die Müllhalde bringen und dann was Neues bauen. Am nächsten und leider letzten Tag gabs dann die Großstadtdröhnung: Viel Verkehr, viele Touristen, viele Einheimische, die mir irgendwelchen Kram verkaufen wollten-(natürlich zum extra günstigen Preis- nur für mich) und einige Kreisverkehre, die trotz Ampel und Verkehrspolizisten völlig verstopft waren.Am Abend des 27.11. fahre ich in Deutschland meine letzten 15 Kilometer nach Hause.Es war stürmisch, etwa 7° kalt, und geregnet hats auch!Willkommen zurück in Deutschland!Das war meine erste Tour durch Marokko!Aber bestimmt nicht die Letzte!

Zuhause in Deutschland fahre ich gerne bei MTB- Marathons mit. In Nordafrika bin ich einige Male in der Sahara umher gefahren. Immer auf eigene Faust, im "Touri- Modus"... Irgend was fehlte mir noch. Z.B. ein Etappenrennen in Nordafrika! Durch Zufall bin ich auf die Titandesert Rallye gestoßen. Die Titandesert fand 2010 vom 3. 5. - 7. 5. in Marokko zum 5. Mal statt, es ist ein Mountainbike-Etappenrennen, vergleichbar mit der Dakar-Rallye oder Marathon des Sables. Gefahren werden sowohl Flachetappen in der Wüste, als auch 2 Bergetappen. Das Rennen spielt sich nur auf Sand- Lehm- und Steinpisten ab. Asphalt wurde nur als Liason auf den letzten 10 km ab dem Ziel der 5. Etappe bis zum Hotel in Ouazarzate gefahren.Die Rennstrecken führen größtenteils durch unbewohntes und unbebautes Gebiet, der Streckenverlauf ist nicht markiert. Die Teilnehmer orientieren sich auschließlich am Roadbook und GPS, sie müssen aus Sicherheitsgründen auf jeder Etappe 3 Kontrollpunkte passieren.Es werden 5 Etappen gefahren:2 Flachetappen mit trockenen Sand - Lehm - Steinpisten2 Marathonetappen: Mit Schlafsack und leichtem Gepäck durch den mittleren Atlas, ohne Mechanikerservice auf der Strecke und im Etappenziel, Pässe bis ca 2000 m1 Zeitfahren über 50 KmÜbernachtet wurde jeweils in eigens für die Titandesert aufgebauten Camps in der Wüste, das Gepäck wurde mit geländegängigen LKW transportiertStrecke:Von Maadid auf 825 m Höhe (bei Erfoud, nahe der algerischen Grenze) nach Ouazarzate im mittleren Atlas auf 1200 m, zurückgelegte Strecke insgesamt 470 km, akkumulierte Höhenmeter: 4460 hm.Das Rennen wird nur auf Sand - und Steinpisten, sowie durch einige Dünengebiete gefahren.Die Tagestemperaturen bewegen zwischen 30° in den Bergen und 42° in den WüstenetappenTeilnehmer:aus USA, Deutschland, Tschechien, Frankreich, Belgien, Holland, Uruguay, Italien, Argentinien, Nordafrika. Die Radfüchse Büren wurden von mir, Christoph Vitt, vertreten Insgesamt 339 Teilnehmer, 40 sind wegen technischen Defekten, Verletzungen (Unfallfolgen) oder Kreislaufschwäche ausgeschieden.Bei der Titandesert 2010 waren insgesamt 6 Deutsche dabei.Das Rennen wird in Spanien organisiert. Dieses Jahr wurden 14 TV Stationen in Europa und Südamerika mit Medien versorgt, Printmedien zusätzlich. Der Renntroß bestand aus 2 Sattelschleppern, 3 LKW, 2 Allrad LKW, 1 Hubschrauber für Presse und Rettungseinsätze, 10 Geländewagen für Presse, Organisation, Mechaniker, Mediziner, 2 Quads. Teilnehmer waren unter anderem:Tinker Juarez (ex Crosscountry Weltmeister)Igor Astaloa, Roberto Heras, Abraham Olano, Laurent Jalabert, Ismael Sanchez, von denen einige in 2010 Ihre Dopingsperren für den Straßenradsport absaßen.In der Eliteklasse waren die meisten Teilnehmer als gesponserte Werksteams, mit eigenen Mechanikern und Physiotherapeuten, unterwegs. Außerhalb dieser Klasse fanden sich viele Privatfahrer, sowohl in 2er und 3er Teams , als auch Einzelkämpfer.

Im Juni 2009 gings mal wieder los...Endlich wieder nach Schweden! Hier und in Norwegen habe ich meine ersten langen Touren unternommen. Die Erfahrungen die ich als Tourneuling in Skandinavien gemacht habe, haben mich geprägt. Inzwischen sind einige Jahre ins Land gezogen, ich war in vielen anderen Ländern unterwegs, habe dort weitere Erfahrungen gesammelt. Aber Schweden ist immer noch der Hit! Ich komme immer wieder gerne hier hin zurück.Das Land ist friedlich, es gibt reichlich offene Landschaft, die Menschen sind in der Mehrheit extrem freundlich und hilfsbereit, das Land ist blitzsauber, genau wie der Rest von Skandinavien...Das ideale Urlaubs- und Campingland. Anfang Juni 2009 geht es also los. Ein genaues Ziel habe ich nicht, ich möchte nur endlich wieder möglichst schnell und möglichst weit nach Norden! Ich freue mich auf die endlosen Abenddämmerungen, die etwa ab Östersund nahtlos in die Morgendämmerung übergehen! Von Göteborg fahre ich zuerst den Riksväg 45 entlang geradewegs nach Norden, in Richtung Östersund. Auf dem Weg dort hin habe ich anfangs recht wechselhaftes Wetter, jeden Tag 1 oder 2 Regenschauer, Wolken, Sonne. Ab Östersund stabilisiert sich das Wetter zunehmend. Bald scheint nur noch die Sonne, bei angenehmen 15-25 Grad. Hier dauert die Abenddämmerung in den Sommermonaten endlos lange, und sie geht nahtlos in die Morgendämmerung über. Richtig dunkel wird es hier im Sommer nie. Die Tierwelt hat sich dem angepaßt: Die Vögel und alle anderen Wildtiere sind die ganze Nacht aktiv, die große Stille sucht man hier in den Wäldern vergebens. Die Abstände zwischen den Städten sind im Norden deutlich länger, die Straße wird zunehmend einsamer. Sie bringt mich durch die großen nordschwedischen Wälder. Das Wildleben ist entsprechend, auch auf dieser Tour überqueren Rentiere kurz vor mir die Straße. Meine Zeltplätze sind oft etwas abseits der Straße an einem Fluss oder See. Einmal werde ich nachts kurz wach, als in der Nähe einige Wölfe die Mitternachtssonne anheulen. Inzwischen habe ich auch einen Plan, wie ich weiter fahre: Weil sich das Wetter so schön konstant hält (und weil ich lange nicht mehr ganz oben im Norden war, und weil es JETZT unbedingt sein muss!!) will ich auf jeden Fall bis Kiruna fahren, dann mit dem Nachtzug zurück nach Karlstad am Vänernsee und von dort mit dem Rad wieder nach Göteborg, wo ich im Idealfall meine Fähre nach Deutschland entere... Die Weiterfahrt nach Norden verläuft wie erhofft bei durchgängig schönem Wetter. Kurz vor Dorothea gibt’s ein neues Geräusch am Hinterrad: ein leises Knacken kündigt nichts Gutes an. Ich lasse mir die gute Laune aber nicht verderben und fahre weiter bis zum Campingplatz „Dorocamp“, wo ich für die Nacht mein Zelt aufschlage. Hier war ich zuletzt vor 10 Jahren. Der Ort Dorothea selbst hat sich nicht viel verändert, aber das Camp ist inzwischen unter holländischer Leitung und noch besser als vor 10 Jahren: der Platz ist blitzsauber, das zentrale Sanigebäude mit Küche, TV Raum und schönen Duschen ist beheizt, die Waschküche wartet mit einem großen Trockenschrank auf- PERFEKT!So weit, so gut. Nach dem Abendessen mache ich noch einige Fotos, danach sehe ich mir meine knackende Hinterradfelge an: mein Verdacht bestätigt sich, die Felgenflanke ist auf etwa 15 cm aufgerissen, einige Speichenlöcher in diesem Bereich weisen sternförmige Haarrisse auf! Eigentlich ist das ein Totalschaden. Ich beschließe , mit hinten reduziertem Luftdruck weiter zu fahren und einen Fahrradladen zu finden, wo ich eine neue Felge erwerben kann. Am nächsten Tag stellt sich heraus, das das hier im Norden nicht so einfach ist: in jedem Dorf gibt’s Fachgeschäfte für Snowmobile, Traktoren und Mopeds, aber Fahrradläden...Fehlanzeige. Eigentlich habe ich auch nichts anderes erwartet. Hier oben liegt mindestens 6 Monate im Jahr Schnee, da werden nicht so ganz viele Fahrradteile gebraucht. Nachmittags finde ich endlich einen Shop, der eine passende Felge für mich hat- heute ist mein Glückstag! Ich werde mit dem Ladenbesitzer schnell handelseinig. Auf die Frage, ob ich die Felge in seiner Werkstatt fix umspeichen kann, ernte ich einen verstörten Blick: wie, umspeichen? Das ist ne Spezialarbeit, wir machen so was nicht, das kann hier Keiner, bla bla bla. Langer Rede kurzer Sinn, der Chef zeigt mir seine Werkstatt, ich schnappe mir den unbenutzt aussehenden Park-Tools- Zentrierständer, einen der 3 herumliegenden Akkuschrauber und ab geht die Post! Nach 70 Minuten ist die neue Felge drin, zentriert und mein MTB wieder fahrbereit. Der Chef vonns Ganze staunt noch etwas vor sich hin, als er mir hilft, das Gepäck vor dem Laden wieder ans Rad zu basteln. Mit deutlich besserer Laune und 340 Schwedenkronen ärmer fahre ich weiter. Bald komme ich an der ersten von insgesamt drei langen Straßenbaustellen an: Schotter und Schlaglöcher für die nächsten 25 km. Spätestens hier wäre mit meiner alten Felge Endstation gewesen. Bis nach Kiruna verläuft die Tour weiter mit traumhaftem Wetter, einigen schönen freien Zeltplätzen und Landschaft satt. Die wenigen Städte an der Strecke haben sich seit dem letzten Mal vor 10 Jahren deutlich verändert: Die Häuser sehen gepflegter aus, viele Bahnhöfe und Cafes haben eine Außengastronomie speziell für Radler und Wanderer, und an geografisch interessanten Punkten stehen Hinweisschilder. Der Tourismus ist im hohen Norden angekommen und Schweden hat sich für den Sommer fein gemacht! Leider wird nicht überall so nett auf den tourismus reagiert: Die schwedische Eisenbahn hat da wohl was verpennt: Auf der Strecke von Kiruna nach Süden werden keine Fahrräder mehr mitgenommen! Auch nicht für Geld und gute Worte! Scheinbar ist diese Bahngesellschaft noch starrsinniger wie die Deutsche Bahn...Nachdem die Fahrkartenverkäuferin im Bahnhof von Kiruna 3 Stunden für mich herumtelefoniert hat, weis ich, dass ich mit Bahn oder Bus nicht wieder von hier weg komme. Also- Leihwagen! Das gefällt mir gar nicht, aber es gibt keine Alternative, um rechtzeitig wieder im Süden (und in der Folge auch pünktlich zuhause bei meinem Arbeitgeber) zu sein.Beim örtlichen Verleiher werde ich schnell fündig, der Preis ist ok und ich kann das Auto in Karlstad zurück geben- eigentlich perfekt. Die Rückfahrt selbst gestaltet sich unspektakulär. Aber es ist interessant, wie wenig man im Auto von der Welt, durch die man fährt, mit bekommt... Ich hatte ja einen recht direkten unmittelbaren Vergleich zwischen beiden Fortbewegungsarten. Als ich am nächsten Tag in Karlstad angkomme, bin ich froh, die Blechkiste abgeben und endlich wieder auf 2 Rädern fahren zu können. Das Wetter ist unverändert sonnig, nur noch etwas wärmer. Mittags geht die Temperatur knapp an 30 Grad! Bei schönstem Hochsommerwetter fahre ich in Richtung zur schwedischen Westküste (Bästkust). Die Straße bringt mich über Arvika nach Strömstad. Dann fahre ich über meist wenig benutzte Nebenstraßen an der Küste entlang nach Göteborg. Diese Westküste hat es in sich: Es ist Schweden aus dem Bilderbuch. Die Küstenstraße führt durch unzählige Fischerdörfer, immer an der Küste entlang, mit freiem Blick aufs Meer und die vorgelagerten Inseln. Es gibt zahllose schöne Campingplätze, die zum Verweilen einladen. Wer möchte kann dort auch bei einem Kajakverleih die Fahrzeuge wechseln und die Küste- quasi von der anderen Seite- mit dem Hochseekajak erkunden. Eigentlich ist diese Westküste das perfekte „Urlaubsschweden“... mehr braucht kein Mensch! Schließlich fällt mir auf, das die letzten 22 Tage wie im Flug vergangen sind, und das mich weniger als 100 Kilometer von meiner Fähre in Göteborg trennen. Man nennt das auch: Den VORLETZTEN ULAUBSTAG! So richtig bewusst wird mir das aber erst am folgenden (letzten) Tag, als ich in Marstrand mein Zelt zum letzten Mal abbaue und den Straßenschildern nach Göteborg folge. Am Nachmittag um 17.00 Uhr rolle ich am Fährterminal ein- so endet eine weitere schöne Radreise...


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